WhatsApp und die Alternativen: Wie vertrauenswürdig sind Messenger?

23-01-2021

Autor: Jan Tissler

WhatsApp steht dieser Tage (erneut) im Kreuzfeuer der Kritik. Die Abwanderungswelle zu alternativen Messengern war dabei gross genug, um eine Reaktion des Facebook-Konzerns hervorzurufen. Zugleich zeigt sich beim genaueren Hinsehen, dass auch WhatsApp-Alternativen ihre Probleme haben, die man vor einem Wechsel kennen sollte.

Auslöser der aktuellen Empörungswelle bei WhatsApp ist die recht kurzfristige Ankündigung neuer Nutzungsbedingungen. Wer diese nicht bis zum 5. Februar akzeptiert hatte, sollte gesperrt werden. Wesentlicher Stein des Anstosses: Es schien, als wolle WhatsApp nun weitere Daten über die Nutzerschaft mit Facebook und anderen Unternehmen teilen.
Facebook hat diesem Eindruck inzwischen widersprochen. Es gehe lediglich darum, künftig Chats mit Unternehmen zu erlauben. Alle privaten Unterhaltungen seien weiterhin sicher. Zugleich verschob man die Deadline für die Zustimmung vom 5. Februar auf den 15. Mai.

Worauf die Kritik an Messengern wie WhatsApp basiert

Dass Öffentlichkeit und Nutzer so gereizt auf Facebook reagieren, sollte nicht erstaunen. Das Unternehmen hat sich seinen schlechten Ruf rund um Datenschutz und Privatsphäre schliesslich über die Jahre hart erarbeitet.
Insofern darf man skeptisch sein, wenn Facebook nun behauptet, es gehe nicht darum, personalisierte Werbung mit WhatsApp-Informationen zu füttern. Das mag heute stimmen. Ob das morgen noch stimmen wird, ist offen. Zumal sich die Nutzungsbedingungen an diesem Punkt selbst zu widersprechen scheinen, wenn man einmal genauer hinschaut.
Zudem kann beides richtig sein: Ja, die Chats selbst sind weiterhin sicher. Aber viel interessanter ist, was mit den Metadaten geschieht. Dazu gehört, wer mit wem wie häufig spricht. WhatsApp sammelt darüber hinaus generell mehr Daten als beispielsweise Apples iMessage oder der alternative Messenger Signal.
Eine andere Stolperfalle in Sachen Sicherheit ist die Verschlüsselung. Geschieht die Ende-zu-Ende ist sie an sich schon sehr gut. Aber inwiefern das auch für die Backups der eigenen Unterhaltungen beispielsweise in Apples iCloud gilt, scheint nicht ganz klar.
Aussagen eines Mitarbeitenden in Apples PR-Team drehen sich ausserdem darum, dass die Verschlüsselung auf den Geräten gegen «Hacker, Diebe und Verbrecher» schützen soll. Die zahlreichen neugierigen Augen diverser Behörden werden hingegen nicht erwähnt. Das ist bekanntlich vor allem ein Problem mit US-basierten Anbietern, weshalb die «Privacy Shield»-Abkommen zwischen den USA und der Schweiz sowie der EU inzwischen ungültig sind. Nicht zuletzt deshalb gilt: Je weniger Daten ein Messenger überhaupt erfasst und speichert, desto besser. Denn Daten, die es nicht gibt, können auch nicht weitergegeben werden.

Am meisten gelobte WhatsApp-Alternative: Signal

Eine häufig empfohlene WhatsApp-Alternative ist Signal. Zu dessen Fans gehören der Tesla- und SpaceX-Macher Elon Musk sowie noch wichtiger: Whistleblower Edward Snowden. Aber wie schlägt sich der Messenger mit Blick auf Sicherheit und Datenschutz?

  • Alle Chats sind standardmässig Ende-zu-Ende verschlüsselt und damit nur für Sender und Empfänger lesbar.
  • Die Inhalte der Chats bleiben auf den Geräten und werden nicht in der Cloud gespeichert.
  • Profilinformationen wie die Kontaktliste und Einstellungen lassen sich mit Passwort geschützt und verschlüsselt auf Signals Servern speichern, um bei einem Gerätewechsel zu helfen.
  • Nach eigenen Angaben sind auch die Metadaten so verschlüsselt, dass Signal selbst sie nicht auslesen kann.
  • Signals Quellcode für Apps und Server ist offengelegt. Fachleute können also überprüfen, was «hinter den Kulissen» geschieht.
  • Finanziert wird der Messenger inzwischen über die Signal Technology Foundation. Die wurde u.a. von Brian Acton ins Leben gerufen, einem der beiden WhatsApp-Gründer.
  • Signal gilt allgemein als sehr sicher und bietet viele Funktionen. Grösster Kritikpunkt: Das eigene Konto ist mit einer Telefonnummer verknüpft. Eine anonyme Nutzung ist daher nur erschwert möglich.

Weitere WhatsApp-Alternativen: Threema, Telegram und mehr …

  • Threema: Im Gegensatz zu Signal muss man bei Threema nicht seine Telefonnummer preisgeben. Die Chats sind immer Ende-zu-Ende verschlüsselt und verbleiben auf den Geräten. Auch die Metadaten landen nicht in der Cloud. Hinter Threema steht die Schweizer Threema GmbH, die ebenfalls einen Messenger für Unternehmen anbietet.
  • Telegram: Hier werden die Chats standardmäßig auf den Servern des Messengers gespeichert. Sie sind zwar verschlüsselt, lassen sich aber bei Bedarf von Dritten entschlüsseln. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gibt es in «geheimen» Chats, die man eigens anlegen muss. Hinter Telegram stecken die beiden russischen Brüder Nikolai und Pawel Durow. Letzterer hatte den Facebook-Konkurrenten VKontakte aufgebaut und finanziert den Messenger bislang offenbar aus der eigenen Tasche. Bald soll Werbung eingeführt werden.
  • In einer Übersicht zu WhatsApp-Alternativen (Zahlschranke) empfiehlt «Die Zeit» noch die Alternativen Ginlo und Delta.Chat, die allerdings vergleichsweise wenige Nutzer haben.
  • Erwähnenswert ist Apples iMessage, das aber weiterhin den Geräten des Herstellers vorbehalten ist.
  • Noch ganz neu auf dem Markt ist ein weiterer Messenger aus der Schweiz: Teleguard.
  • Nicht zu vergessen die «sichere Kollaborationsplattform» Wire – ebenfalls aus der Schweiz.

Die Liste liesse sich weiter fortsetzen. Eine gute Übersicht gibt die Seite Secure Messaging Apps Comparison.

Fazit

Die Aufregung um WhatsApp ist sicher berechtigt. Facebook hat über die Jahre gezeigt, dass das eigene Geschäft meist wichtiger ist als die Interessen der Nutzerschaft. Angeblich will man künftig den Datenschutz priorisieren. Aber ob es wirklich dazu kommt, bleibt abzuwarten.
Bei der Wahl einer Alternative sollte man gleichzeitig genauer hinschauen. Denn nicht alle Konkurrenten sind automatisch in allen Belangen besser.

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