Über DSwiss
Presse
Eine Schweizer Bank für Daten - Datensicherheit über den Tod hinaus
Neue Zürcher Zeitung
10. Juli 2009
Eine Schweizer Bank für Daten - PDF
Was passiert mit Computerdaten, wenn der Mensch, dem diese Daten gehören, stirbt? Die Zürcher Jungfirma DSwiss glaubt als Erste einen Service für die «Datenvererbung» anbieten zu können.
(S.B.) Computer leben nicht lange. Der rasche technische Fortschritt sorgt dafür, dass diese Maschinen alle paar Jahre ausgetauscht werden müssen. Menschen leben immer länger. Aber einmal kommt der Tag, an dem ein Computer seinen Besitzer überlebt. Dann werden sich die Hinterbliebenen um diese Maschine versammeln und versuchen, Passwörter zu erraten.
Die Computerbranche ist eine junge, dynamische Branche, der Gedanke an den Tod scheint hier keinen Platz zu haben. Doch weil immer mehr Menschen ihre wichtigsten Dokumente in elektronischer Form auf Computerfestplatten speichern, weil heute einem PC-Besitzer ausserordentlich leistungsfähige kryptografische Hilfsmittel zur Verfügung stehen und weil sich Passwörter rasch vermehren und häufig gewechselt werden müssen, wird diese Frage immer drängender: Was passiert, wenn das Gehirn, das sich diese Passwörter ausgedacht hat, stirbt?
Eine einfache Lösung wäre, zu Lebzeiten einer Person des Vertrauens das Passwort zu verraten. Doch was, wenn diese Person zu früh stirbt oder das Vertrauen nicht verdient? Wenn der Kreis der Vertrauenspersonen ausgeweitet wird, erhöht sich das Risiko dass Daten zur Unzeit in falsche Hände geraten.
Eine Möglichkeit, ein Geheimnis zu teilen, ohne es zu verraten, hat der israelische Kryptologe Adi Shamir 1979 in einem Aufsatz vorgestellt. Die Shamir's Secret Sharing genannte Methode ermöglicht es, ein Passwort bruchstückweise mehreren Leuten mitzuteilen, so dass niemand allein, sondern nur mehrere zusammen das Passwort rekonstruieren können. Eine andere Lösung des Problem sind Websites wie www.mylastemail.com oder www.deadmansswitch.net die versprechen, eine vorgefertigte E-Mail-Botschaft nach dem Tod des Auftraggebers an die Hinterbliebenen auszuliefern. Diese Dienste funktionieren wie das Totmannpedal in einer Lokomotive: Der Auftraggeber muss in bestimmten Abständen ein Lebenszeichen geben. Bleibt dieses aus, wird die «letzte E-Mail» abgeschickt. Falls nicht: Wer wird sich bei wem beschweren können?
Die 2006 gegründete Zürcher DSwiss AG möchte die Probleme beim Vererben von Daten mit der Gründlichkeit von ETH-Ingenieuren und mit der Vertrauenswürdigkeit von Zürcher Bankern lösen. Die Firmengründer haben sich seit 1995 mit der auf Computersicherheit spezialisierten Firma AVANTEC Bekanntheit erworben. DSwiss hat Ende Juni mit DataInherit eine Dienstleistung vorgestellt, die sicherstellen soll, dass Daten über den Tod des Besitzers hinaus geschützt bleiben. In dem von Dswiss zur Verfügung gestellten «Datensafe» lagern nicht nur Passwörter, sondern auch die zu schützenden Dokumente selber. Die Speichersysteme befinden sich in der Schweiz. Die der Firma anvertrauten Daten, so heisst es, könnten von DSwiss-Mitarbeitern nicht eingesehen werden.
Gegenüber anderen Online-Back-up-Diensten will sich DataInherit durch besseren, mehrstufigen Zugriffsschutz auszeichnen. Über das Back-up, die Datensicherung, hinaus erlaubt aber DataInherit auch die Vererbung von Daten. Diese wird durch im Voraus bestimmte Vertrauenspersonen ausgelöst. Bevor die Begünstigten Daten oder Passwörter elektronisch oder per eingeschriebenen Brief erhalten, wird der Auftraggeber kontaktiert, der die «Datenvererbung» während einer Sperrfrist noch stoppen kann.
DataInherit kostet zwischen 51 und 210 Franken im Jahr; die verschiedenen Varianten dieser Dienstleistung unterscheiden sich etwa in der Grösse des zur Verfügung gestellten Speicherplatzes oder in der Zahl der Begünstigten. Der Geschäftsplan von DSwiss sieht vor, dass in zwei Jahren 10'000 und in vier Jahren 100'000 Kunden gewonnen werden können.
